Freitag, 14. Februar 2014

In was für einem Land leben wir eigentlich?

Eigentlich hatte ich für heute Abend einen ganz anderen Post vorbereitet. Eigentlich wollte ich von unserem katastrophalen Beikoststart berichten und meine Erfahrungen mit Euch teilen. Doch jetzt ist irgendwie alles anders. Eine Meldung, die mich zunächst über Facebook erreichte, hat mich dermaßen geschockt und emotional aufgewühlt, dass alle anderen Themen im Moment unwichtig erscheinen. Also nutze ich diese Gelegenheit, um meine Gedanken zu ordnen und mit Euch zu teilen.

Ihr habt die Diskussionen um die Erhöhung der Haftpflichtversicherung für freiberufliche Hebammen sicherlich mitverfolgt. Auch ich habe damals die Petition unterschrieben, um unsere Politiker wachzurütteln und die Hebammenzunft vor dem Aussterben zu bewahren. Heute dann diese Meldung. Ich bin sprachlos und frage mich nun, wie es in Zukunft mit der Geburtshilfe in Deutschland weiter gehen soll, wenn es keine freiberuflichen Hebammen mehr gibt. Ihr fragt Euch sicher, warum dieses Thema mich so sehr tangiert. Dafür muss ich ein wenig ausholen. 

Als ich im Oktober 2012 schwanger wurde, ging ich wie jede Frau brav zum Frauenarzt. Der erste Ultraschall, auf dem ich meine kleine Erbse sah, war wunderschön, keine Frage, doch mir wurde relativ schnell klar: So habe ich mir meine Schwangerschaft nicht vorgestellt. Kinder zu bekommen war für mich immer etwas sehr Natürliches. Schließlich sind wir Frauen doch genau dazu gemacht oder? Bei jedem Termin habe ich mich mehr wie ein Krankheitsfall gefühlt. Es wurden Tabletten verschrieben, bei denen ich nicht wusste, wozu ich sie nehmen soll. Es wurden pränatale Untersuchungen empfohlen, die für mich absolut nicht in Frage kamen. Jedes mal musste ich auf den Stuhl und jedes mal wurde ein Ultraschall gemacht. Mir erschloss sich der Sinn einfach nicht. Ich weiß dass es viele Frauen gibt, die es genießen, ihren Krümel in regelmäßigen Abständen zu sehen und so zu wissen, dass alles gut ist. Letztendlich muss das auch jeder für sich selbst entscheiden. Mir war das alles zu viel, ich wollte eine natürlich begleitete Schwangerschaft ohne viel Tamm Tamm. Und hier kommt meine Hebamme ins Spiel.

Ich entschied mich bewusst für eine Hebammenvorsorge und auch die Geburt sollte von MEINER Hebamme begleitet werden. Für mich war es eine absolute Horrorvorstellung mit Wehen ins Krankenhaus zu fahren und in diesem wahrscheinlich intimstem Moment meines Lebens von einer fremden Person betreut zu werden. Das erste Kennenlernen war eine Offenbarung. Ich erzählte ihr von meinen Wünschen und Enttäuschungen, die ich beim Frauenarzt erlebt hatte und ich fühlte mich verstanden. Ich fühlte mich angekommen. Im nachhinein war dies die beste Entscheidung meines Lebens.

Meine Hebamme begleitete unsere Schwangerschaft auf die natürlichste Art und Weise. Sie hörte den Herzschlag unseres Babys mit einem Holzrohr, tastete Lage und Größe des Kindes, hatte ein offenes Ohr für meine Wehwehchen und immer ein Hausmittelchen in petto. Keine Tabletten, kein ständiges Tasten nach dem Gebärmutterhals, kein CTG, keine unnötige Panik. Ich lernte von ihr Vertrauen in mich selbst und mein Baby zu haben. Einfach natürlich schwanger sein. Bis zur Geburt wurde sie meine engste Vertraute und dank ihr wurde die Geburt meines Sohnes trotz Komplikationen ein wunderbares Erlebnis. Auch in den ersten Wochen nach der Geburt war sie unsere gute Seele. Sie besuchte uns regelmäßig, machte uns Mut, wenn unser Sohn mal wieder nächtelang schrie, zeigte uns das Tragetuch und half, wo sie nur konnte. Bis heute verdanke ich ihr sehr viel.

Was ich damit sagen möchte: Ich wünsche allen schwangeren Frauen dieses wunderbare Erlebnis einer natürlichen Schwangerschaftsbegleitung, denn genau das kann eine Hebamme gewährleisten. Eine Hebamme sucht nicht nach möglichen Komplikationen, für sie sind Schwangerschaft und Geburt ganz natürliche Vorgänge. Und auch das Wochenbett darf nicht vergessen werden. Wie sehr brauchen wir frischen Mütter eine gute Seele zum Reden, die uns darin bestärkt, dass wir das Richtige tun und einfach eine gute Freundin ist! Ohne freiberufliche Hebammen wird die Schwangerschaft noch mehr zu einer streng kontrollierten und rein medizinischen Angelegenheit. Was wird aus den Geburtshäusern? Nur dort können Frauen ohne Hilfsmittel entbinden und sich ganz der Geburt hingeben. Was wird aus den Hausgeburtshebammen? Auch ich möchte mein nächstes Kind zu Hause auf die Welt bringen, mit meiner Hebamme, in meiner vertrauten Umgebung, nur ich und mein Baby.

Sollte es wirklich so kommen, dass all diese taffen und wunderbaren Frauen ihre Berufung aufgeben müssen, dann verschwindet nicht nur eine ganze Zunft sondern auch die Selbstbestimmung der Frau. Denn wir entscheiden alleine, wo, wie und mit wem wir unsere Kinder auf die Welt bringen möchte. Es gibt eine freie Arztwahl, wieso kann ich dann nicht wählen, ob meine Schwangerschaft von einem Arzt oder einer Hebamme betreut werden soll und ob ich mein Baby im Krankenhaus, im Geburtshaus oder zu Hause auf die Welt bringen möchte. Ich bin einfach nur wütend und enttäuscht und hoffe so sehr, dass die Hebammen um ihre Zukunft kämpfen. Ich werde sie auf jeden Fall dabei unterstützen. Denn sonst heißt es: Armes Deutschland. 

Kommentare:

  1. Das hast du wirklich wunderbar treffend und nah geschrieben!
    Es ist wirklich schwer nachzuvollziehen warum die Geburtenkultur gerade diesen Weg einschlägt und warum man scheinbar nichts dagegen machen kann...

    Liebe Grüße
    Saskia

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    1. Danke Saskia! Ich bin auch immernoch entsetzt und frage mich, wo das alles hinführen wird. Und nicht unerheblich zu erwähnen ist, dass dieser weg auch zwangsläufig unseren weiteren Kinderwunsch beeinflussen wird. Traurig aber wahr...

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