Freitag, 14. Februar 2014

Nein, meine Suppe ess' ich nicht!

Eigentlich könnte dieser Eintrag auch die "Die Mär vom süßen Brei" heißen, doch der hier gewählte Titel trifft es ebenfalls ganz gut. Denn könnte der Gurkenhals schon sprechen, wäre das mit Sicherheit einer seiner Lieblingssätze, bevorzugt herausgebrüllt, während er mir zum drölfhundersten Mal beim Mittagessen den Löffel aus der Hand schlägt. Aber mal von vorne.

Ist das Kind so um die drei Monate alt, beginnen die quälenden Fragen der Großmütter: "Wann bekommt er denn endlich mal was richtiges zu Essen?" oder "Wie lange willst du denn noch stillen?". Wahlweise wird auch das Baby direkt angesprochen: "Bald kocht die Mama dir einen leckeren Brei!" oder "Nicht mehr lange, und du darfst auch ein Steak!". Woher kommt diese Breiwut? Warum muss das Kind so schnell wie möglich "etwas Richtiges" zu essen bekommen und ist Muttermilch etwa nichts Richtiges? Glauben Oma und Opa wirklich, ein Baby, das mit vier Monaten noch keinen Brei isst, muss qualvoll verhungern? (Wenn Ihr die Lösung wisst, dann hinterlasst mir doch bitte einen Kommentar!)

Wie auch immer, bis zum 5. Lebensmonat meines Sohns weigerte ich mich, den Bitten der älteren Generation nachzukommen. Dann begann auch bei mir die Vorfreude. Ich stellte mir vor, wie ich in der Küche stehe, den Kochlöffel schwinge und die leckersten Breie, die ein Baby je gesehen hat, für meinen Gurkenhals zubereite. Stundenlang surfte ich durchs Web, bestellte die ergonomischsten Löffel, die kleckersichersten Lätzchen (sehr praktisch bei einer Fleckenphobie, aber anderes Thema), Babybrei-Kochbücher aus der Sternekategorie, die hoch angepriesenen Avent-Becher und natürlich den Porsche unter den Hochstühlen. Und dann konnte es endlich losgehen.

erste Breiversuche - Schnütchen auf

Kürbis war von Anfang an der Favorit meines kleinen Schleckermäulchens und schnell verputzte er davon um die 100 Gramm. Als vorbildliche Mama hielt ich mich natürlich an die Empfehlungen und fügte nach einer Testwoche Kartoffeln hinzu, nach einer weiteren Woche dann auch Fleisch. So hatten wir recht unkompliziert die erste Mahlzeit ersetzt. Als nächstes ging es an den Abendbrei. Auch hier entpuppte sich mein kleiner Mann nicht als Feinschmecker sondern schlang alles hinter, was ich ihm so vorsetzte. Mama war glücklich, Baby auch. Und dann, ja dann kam Tag X. Was auch immer in seinem Kopf vorging, Theo wollte nicht mehr essen. Er machte einfach sein süßes Schnütchen nicht mehr auf und weinte ganz bitterlich, wenn ich ihm nur ein Lätzchen ummachte. 

Wir probierten alles aus, wirklich alles. Gemüsebrei, Obstbrei, Milchbrei, Milchbrei mit Obst, milchfreier Getreidebrei, Milupa, Hipp, Alnatura und sämtliche andere Sorten, Gläschen, Selbstgekochtes, große Löffel, kleine Löffel, dicke Löffel, dünne Löffel, Ärmellätzchen, normale Lätzchen, füttern im Hochstuhl, füttern auf dem Schoß, füttern im Maxi Cosi, füttern bei Oma. Es war nichts zu machen. Ich suchte mir Hilfe in einem Forum und bekam dort den Tipp, ihm feste Nahrung anzubieten. Vielleicht möchte der Herr einfach kein Baby mehr sein. Also Dampfgarer bestellt, Gemüse geschnibbelt und ab ging die Luzie. Doch auch davon war Theo nicht zu begeistern. Das Gemüse wurde lustlos in der Hand zerdrückt und landete doch mal ein Stück im Mund, wurde dies sofort angewidert herausgeschoben. Also entschieden wir uns für das denkbar naheliegendste: Wir legten eine Pause ein. 

Das war vor circa vier Wochen. Vor zwei Tagen dann dachte ich mir, was solls, probierst du es mal wieder und rührst ein paar Reisflocken mit Obst an. Und was passiert? Das Söhnchen isst! Und zwar so richtig, mit Mund auf und jamm jamm-Geräuschen! Und Mama grinst sich vor Stolz einen ab. 

mmmh lecker Milchbrei

Seitdem wird fleißig jeden Abend der Milchbrei weggelöffelt. Auch am Nachmittag steht Brei hoch im Kurs, am liebsten mit Banane oder Apfel. Gemüsebrei wird leider nach wie vor verschmäht und das wird Mama durch ein kräftiges Löffel aus der Hand schlagen deutlich gemacht. Ne Mutter, den Mist kannst du selber essen. Was dagegen auch gut geht sind Reiswaffeln, Hirsekringel und trockenes Toastbrot. 


Reiswaffel zutscheln

Aber wen wundert es, Mama ist schließlich auch ein Süßmaul und könnte sich nur von Schokolade ernähren. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Trotzdem gehört Gemüse ja irgendwie auf den Speiseplan. Habt Ihr Tipps und Tricks, wie ich ihn dazu bekomme, auch Gemüse zu essen? Wie verlief bei euch der Beikoststart?

Krümel-Theo

Kommentare:

  1. Huhu!

    Süßkartoffel und Pastinake machen bei uns den Brei immer süßlicher. Du kannst ja trotzdem noch anderes Gemüse dazu tun. Einfach mal rumprobieren :-)

    AntwortenLöschen
  2. Hallo,
    jaja die Gemüseverweigerer, meine Süße hat monatelang nichts "richtiges" essen sondern nur weiterstillen wollen, plötzlich hat sie mit ca. 8 Monaten alles gegessen. Ich hatte in meiner Verzweiflung ("das Kind verhungert!") ein fertiges Gläschen Kartoffel-Zucchini angeboten und danach ging plötzlich alles, egal welche Gemüsekombinationen, ob mit Fleisch oder nicht, mit Nudeln, Kartoffeln oder Reis - alles, hauptsache kein Glas. Und ca. ein halbes Jahr später verweigert sie erneut alles Gemüse, das hält jetzt seit September an. Sie isst Weißwürste, Wienerle, Räucherlachs, Butterbrot, Maultaschen in fast jeder Variante, Nudeln ("nackt" oder mit Käse) und wenn sie gut drauf ist mal ein Stück Gurke oder Tomate. Zum Glück mag sie Obst sehr gerne und wir wurden von Hebamme und Arzt beruhigt, dass man damit Gemüe ausgleichen könnte, bis die Phase vorbei ist. Das scheint Dein Kleiner ja auch zu mögen.

    Was ich lernen musste: keine Panik, nicht einreden lassen, dass irgendwas unbedingt gehen muss, immer wieder Gemüse anbieten und darauf bauen, dass sich Kinder in dem Alter anscheinend das holen, was sie brauchen (solange es keine Schokolade ist ;)). Kennst Du das Buch "Mein Kind will nicht essen" von einem spanischen Kinderarzt, das hat mir geholfen.

    Liebe Grüße

    AntwortenLöschen
  3. Ich weiß nicht, wie alt deine Großeltern sind, aber meine kommen aus einer Generation, in der Folgemilch, "Ersatzprodukte" etc. als Allheilmittel und viel besser als alles andere verkauft wurden. Völlig idiotisch, was sollte besser sein als Muttermilch?! Meine Omas kommen zum Glück vom Land und haben sich von diesem Trend nicht beeinflussen lassen, die Geschwister in der Stadt fanden das Zeug total super, sie konnten ja gleich wieder arbeiten gehen usw.

    Lass dich davon nicht beirren. Es ist DEIN Kind und nur du entscheidest. Wenn sie das nicht einsehen, lass sie reden. Zum einen Ohr rein, zum anderen raus. Wenn dein Baby nicht bereit für Breikost ist, was willst du denn machen? Es hungern lassen, damit es schon irgendwann isst?

    Andere wissen immer alles besser, ich glaube, daran müssen wir (bald) Mamas uns einfach gewöhnen. Mein Neffe ist 3 und noch nicht trocken, du glaubst gar nicht, was meine Schwägerin sich deswegen alles anhören muss *sfz*

    Liebe Grüße

    Nadja

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Huhu Nadja,

      danke für deine Worte! Ja manchmal ist es schwer, sich den ganzen Ratschlägen usw. zu entziehen aber ich als Mama weiß eben doch, was das beste für mein Kind ist. Verhungern wird hier bestimmt keiner, Theo bekommt weiterhin seine Milch so lange er eben möchte:)
      Liebe Grüße zurück!

      Löschen
  4. Hi! Schöner blog, bin grade heute über "dich" gestolpert :-) Lass dein Kind Obst essen, ist sowieso besser bekömmlich als das Gemüse und hat ordentlich Vitamin C für die Eisenverwertung.. der Rest kommt irgendwann ganz von allein, du musst halt immer nur immer wieder anbieten. Und vielleicht sind angedünstete Gemüsesticks toll, kann Gurkenhals 2.0 in die Händchen nehmen und wegknabbern. Mein Sohn hat immer Brokkolibäumchen in der Hand gehabt und schwupps , die Baumkrone verschwinden lassen :-) LG Care Stehen

    AntwortenLöschen