Montag, 17. März 2014

Der Gurkenhals fährt jetzt vorwärts!

Und nein, das ist keine Provokation gegen all die Reboarder-fahrenden Blogger-Babys! Ich habe lange hin und her überlegt, ob ich etwas über das Thema Folgesitz schreiben soll aber ich finde das Thema einfach zu wichtig, um es still und heimlich unter den Tisch fallen zu lassen.

Denn natürlich haben all die Mamis da draußen in der Bloggerwelt recht! Es gibt nichts sichereres für ein Kleinkind, als möglichst lange rückwärts im Auto mitzufahren. Noch während meiner Schwangerschaft habe ich mich ausgiebig mit dem Thema Reboarder befasst, besonders interessant fand ich dabei die Berichte und Links von Viele Bienchen, die mittlerweile wirklich eine Expertin in Sachen Reboarder ist. Ihre Erfahrungen und auch die Tatsache, dass Reboarder ab 2015 sowieso Pflicht werden, überzeugten mich noch mit dickem Kugelbauch davon, dass unser zukünftiges Krümelchen ebenfalls möglichst lange rückwärts fahren soll.

Und dann war unser Krümelchen auch schon auf der Welt. Und wenn es eins gar nicht mochte, dann war es Auto fahren. Ich weiß nicht, ob ich zu naiv war, aber irgendwie dachte ich immer, dass alle Babys während einer Autofahrt friedlich in ihrer Babyschale schlummern. Pustekuchen. Mein Kind schrie. Und zwar immer. Egal ob die Fahrt fünf Minuten dauerte oder zwei Stunden. Er hielt das eisern durch, schlief meistens erst kurz vor der Ankunft vor Erschöpfung ein. Jede Autofahrt wurde zur reinsten Qual. Beim Rückbildungskurs kam nicht nur Theo total verschwitzt an, auch ich war klitschnass vor Anspannung. In diesem Zeitraum wurde ich sage und schreibe dreimal geblitzt, weil die Geschwindigkeitsbegrenzung mich davon abhielt, das schreiende Baby möglichst schnell von A nach B zu transportieren. Ihr werdet Euch jetzt denken, warum ist die Frau Gurkenhals dann nicht einfach mit den Öffentlichen gefahren? Da war es auch nicht wirklich besser. Anscheinend mochte mein Theo generell keine Fortbewegungsmittel. Die Kutsche (den Kinderwagen) hasste er ebenfalls wie die Pest. Aber zurück zum Autofahren. Wir suchten natürlich nach Ursachen für das Geschrei. Wechselten die Babyschale, ließen Blockaden im Nackenbereich lösen, einer der beiden Elternteile saß, wenn möglich, mit hinten, massenweise Spielzeug zur Ablenkung und so weiter. Aber es half alles nichts.

Erst nach fünf Monaten wurde es ein klein wenig besser. Das heißt, man konnte mit Glück die Fahrt in den Supermarkt ohne Geschrei überstehen. Sollte es aber weiter weg gehen, beispielsweise zur Oma, so wurde die zweistündige Fahrt mal wieder zu einer Geduldsprobe. Jetzt ist Theo fast neun Monate alt und passte nur noch mit Müh und Not in die Babyschale. Beim Anschnallen windete sich wie ein Wurm, ich nehme an, ihm war es zu eng in dem Stück Plastik. Während der Autofahrt wimmerte er immer wieder auf und verrenkte sich bald den Hals, um irgendwie zu mir nach vorne zu schauen.

Was ich damit sagen will: Wir wissen bis heute nicht, was unser Kind am Auto fahren stört, aber nachdem wir sämtliche mögliche Ursachen beseitigt hatten und sich nichts änderte, lag der Verdacht nahe, dass ihm das rückwärts Fahren generell nicht gefällt. Bitte schlagt jetzt nicht die Hände über dem Kopf zusammen, ich kenne mittlerweile die ganze Palette an Argumenten, sei es "Er ist es doch gar nicht anders gewöhnt" oder "Ja, aber ein Reboarder ist viel höher und dann kann er aus dem Fenster schauen." Das mag alles stimmen, aber ich konnte mich einfach nicht dazu durchringen, einen 500 Euro teuren Reboarder zu kaufen, um dann festzustellen, dass der Gurkenhals uns weiterhin jede Autofahrt vermiest.

Glaubt mir, mein schlechtes Gewissen ist groß, denn eine Mama will immer nur das beste für ihr Kind. Aber wenn dieses zwei Stunden lang (oder länger) durchschreit, kann das ja auch nicht optimal sein oder? Jedenfalls haben wir uns nun für einen vorwärts gerichteten Kindersitz entschieden. Ein Römer King Plus *klick* ist es geworden, einfach weil er schön groß ist und wir ein großes Kind haben. Man kann ihn gut in eine Liegeposition stellen und da er sich mit Gurt einbauen lässt, kann der Gurkenhals auch mal bei Oma mitfahren.

(Nur mal so: Wir haben im Fachgeschäft den Reboarder nicht von vornherein ausgeschlossen, da wir einmal wissen wollten, ob uns solch ein Sitz überhaupt angeboten wird. Wurde er uns aber gar nicht erst. Unwissende Eltern, die sich nicht vorher informiert haben, kommen also höchstwahrscheinlich gar nicht zu so einem Sitz.)

Und der Gurkenhals? Der ist glücklich. Wie ein Großer sitzt er in seinem neuen "Rennfahrersitz". Obwohl er noch zu klein ist, um aus dem Fenster zu schauen, ist er endlich zufrieden und hat seit dem Sitzeinbau, und ich schwöre Euch das, nicht einmal mehr geweint. Er schläft sogar ein. Einfach so, als wäre es das normalste von der Welt. Vielleicht wäre das im Reboarder auch so. Man weiß es nicht. Aber nun ist es so. 


(bitte entschuldigt die Qualität - Handyfoto)

So und jetzt dürft Ihr gerne mit mir schimpfen;)

Was mich aber noch brennend interessiert: Ab 2015 wird der Reboarder Pflicht. Aber was ist mit den Familien, die sich einen solchen Sitz gar nicht leisten können? Oder die einfach ein viel zu kleines Auto dafür haben? Wir hätten eine solche Problematik gehabt. Wir fahren zwar einen Kombi, aber da mein Mann sehr groß ist, hätte es einen speziellen Reboarder gebraucht, damit der Herr Gurkenhals überhaupt noch hätte auf dem Beifahrersitz sitzen können. Dieser Reboarder kostet dann gleich mal um die 500 Euro, für mich als Studentin fast unerschwinglich...Wie sind Eure Erfahrungen damit?

Kommentare:

  1. Die Pflicht geht ja nicht bis 4 Jahre bei uns in D und es gibt ja Reboarder mit geringerer Gewichtsgrenze. Ich denk da werden auch mehr und mehr auf den Markt kommen.

    Aber die Preise sind in der Tat stark abweichend zu nem vorwärts Sitz. Wir haben bei den Großeltern jeweils nen Cybex Juno 2 Fix und da haben beide Sitze zusammen so viel wie ein Reboarder gekostet.

    Dann noch das Problem mit den Autos, mein Mann fährt Passat und es könnte jetzt sogar knapp werden mit ner Maxi Cosi Babyschale hinterm Fahrersitz. Hinterm Beifahrer ist der Sirona und ich finde es mit meinen 163cm schon grenzwertig.

    LG

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    1. Ich nehme mal stark an, umso mehr Anbieter nachziehen, umso mehr werden die Preise sinken. Hoffe ich zumindest. Denn das nächste Baby muss ja in den Reboarder. Ich frag mich halt nur, wie zb. Familien, die von Hartz4 leben, das momentan bezahlen sollen. Können sie eigentlich nicht. Und dann heißt es, sie sparen an der Sicherheit ihrer Kinder.

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  2. Ich denke bis 2015 wird es die Sitze auch schon gebraucht zu kaufen geben, da die ersten Kinder entwachsen sind.
    Ansonsten finde ich es eigentlich sehr schade, da du dich mehr oder weniger in deinem Beitrag dafür entschuldigst, einen normalen Sitz gekauft zu haben.
    Dein Bauchgefühl hat dir zu diesem Sitz geraten, du musst dich doch nicht rechtfertigen.....
    Wir hatten auch einen Römer, fanden das Platzangebot nicht sooo dolle, deshalb musste er wieder ausziehen:)
    liebe Grüße und gute Fahrt;)

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    1. Hallo Simone,
      ich entschuldige mich nicht, ich wollte nur meine Entscheidung nachvollziehbar erklären;) Man sollte einfach nicht verschweigen, dass ein Reboarder ohne Zweifel die sicherere Variante ist und ich es gut finde, dass sich immer mehr Eltern dafür entscheiden! Nur für uns hat es leider nicht gepasst!
      Liebe Grüße!

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  3. Ich hab schon so einige Diskussionen zu dem Thema gelesen und angeblich kann man sich so nen Sitz auch als Hartz-4ler leisten. Aber ich kenne mich damit nicht aus.

    Es wird ja sicherlich auch ne Übergangsphase geben, bevor die Sitze endgültig Pflicht werden.

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  4. Oh ja die sind sehr teuer. Bei uns kam direkt noch der Preis für ein neues Auto oben drauf, da es keinen Reboarder gibt der in unseren kleinen und Nigelnagelneuen Fiat 500 gepasst hätte.
    Den haben wir gekauft und 2 Wochen später war ich schwanger. Und dann gingen die Sorgen los. Erst der Kinderwagen, dann der Autositz. Haben also den Fiat schweren Herzens verkauft und uns einen Kombi zugelegt...
    Bei den Omas wird unser Kleiner wohl auch vorwärts fahren, wir können schließlich nicht 3 Sitze für fast 1500€ kaufen!
    Viele Grüße

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    1. Da unserer Omas weit weg wohnen, lohnt es sich für sie gar nicht erst, einen Sitz zu kaufen. Der wechselt dann einfach das Auto, wenn wir sie mal dort abliefern:)

      Wir hatten vor unserem Kombi übrigens einen Twingo :)

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  5. Huhu... puh... ich finde das Thema sehr schwierig. Wir fahren schon recht viel und auch weite Strecken.. und ich bin ganz ehrlich: nachdem was ich über Reboarder weiß, kommt auch nur ein solcher für uns in Frage.

    Und ja, wir haben hier auch Probleme mit meckern und schreien im Auto... aber ich denke mir halt: ich habe lieber ein schreiendes Kind als ein... na du weißt was ich meine.

    Wir haben uns überlegt einen Reboarder zu holen den man eben bei Bedarf auch nach vorne richten kann... das ist dann hoffentlich ein Kompromiss. Meine Angst ist einfach zu groß nachdem ich gesehen habe was passieren kann wenn man eben keinen hat :/

    Wird schon schief gehen!

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    1. Ja, wie gesagt, Reboarder sind definitiv die sicherere Variante! Das möchte ich auch gar nicht abstreiten. Andererseits ist es auch einfach echt belastend, wenn das Kind im Auto nur brüllt. Man darf einfach nicht immer vom schlimmsten ausgehen! Wenn ich dran denke, dass ich als Kleinkind bei meiner Oma im Wartburg auf der Rückbank lag, ohne Gurt...*grusel* Von daher ist es gut, dass die Sicherheit unserer Kinder immer weiter steigt! Für uns war das jetzt einfach die beste Lösung...mal davon abgesehen, dass wir uns einen Reboarder momentan nicht leisten können. Wir hätten ihn aber dann wohl auf Raten gekauft.

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    2. Huhu... :) ja ich verstehe das mit dem Preis... ich finde das auch total heftig. Und das Teil kann man ja nicht mal eben einfach so ins andere Auto packen. Wir haben uns das Geld zu Weihnachten von der gesamten Verwandtschaft schenken lassen. Eben weil es so viel ist!

      Und ich verstehe auch dein Argument mit früher... ich lag als Kind auch im Trabbi mein Eltern auf der Rückbanke.. trotzdem :/
      Ich finde das halt mit 8 Monaten sehr sehr früh :( sei mir nicht böse und fass es auch nicht als Kritik auf! :-* Jeder macht das beste für sein Kind... Ich hatte nur mal gelesen das es eine gute Zwischenlösung sei die Schale bis zum allerletzten auszureizen, also erst ab 12 Monaten. So lange sind die Kleinen ja eh da drin... oder ist euer Mini so groß? :) das weiß ich natürlich nicht!

      Und danke für den Link in dem Artikel... wir wissen nämlich noch nicht welchen Reboarder wir nehmen sollen und sind so ein ganzes Stück weiter gekommen!!

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    3. Hey, das ist doch kein Ding, jeder kann hier seine Meinung sagen und Kritik ist durchaus erwünscht:) Ich weiß, dass das Thema polarisiert aber irgendwie kann ich mir auch nicht vorstellen, dass wir die einzigen Eltern sind, die noch einen "normalen" Kindersitz kaufen. Ich denke mal, die andere machen es nur nicht öffentlich. Deswegen wollte ich es einfach mal ansprechen.

      In die Babyschale hat der kleine Mann leider wirklich nicht mehr gepasst. Er ist knapp 80cm groß und wiegt über 9kg. Oben schaute schon der Kopf über und von der Breite her ging es auch nicht mehr. Sonst hätte ich das Geschrei vielleicht noch eine Weile mitgemacht, lange aber nicht. Für mich war der Wechsel vertretbar, da er seit Januar sitzen kann und somit recht stabil ist. Mit einem nicht-sitzenden Baby hätte ich persönlich nicht gewechselt. Ich will natürlich auch nur das beste für meinen Schatz!

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  6. Hallo,

    es wird immer so lapidar gesagt, dass Reboarder ab 2015 Pflicht werden, allerdings ist das ganze doch etwas komplexer.

    Die bisherigen Kindersitze sind nach der ECE Norm 44/04 zugelassen. Bei dieser Norm dürfen Kinder ab einem Gewicht von 9 kg in entsprechenden Kindersitzen vorwärts fahren.

    Dann gibt es die neue Norm "i-size". In Kindersitzen, die nach dieser neuen Norm zugelassen wurden, MÜSSEN Kinder rückwärts transportiert werden, bis sie 15 Monate alt sind. Bisher gibt es erst einen einzigen Sitz nach i-size auf dem deutschen Markt.

    Die alte Norm 44/04 bleibt trotz neuer Norm erstmal weiter bestehen. Es wird eine mehrjährige Übergangsfrist geben. Wie lang genau ist noch nicht bekannt.

    Es werden also noch eine ganze lange Weile noch die herkömmlichen Sitze produziert, zugelassen, verkauft und genutzt werden dürfen.

    Bis die Norm 44/04 ausläuft und vollständig von der neuen i-size-Norm abgelöst wird, gibt es sicherlich eine weit größere Auswahl an rückwärtsgerichteten Kindersitzen als jetzt. Vermutlich werden auch die Babyschalen dahin gehend überarbeitet werden, dass sie den meisten Kindern bis zu einem Alter von 15 Monaten passen.

    Übrigens lassen sich alle mir bekannten Reboardsitze auch auf dem Beifahrersitz nutzen (Isofixsitze natürlich nur, wenn auf dem Beifahrersitz auch Isofix ist). Dafür braucht es eigentlich keinen speziellen Reboarder.

    Ich hoffe, ich konnte etwas Licht ins Dunkel bringen.

    Liebe Grüße,
    Laelie

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  7. Hallo,

    unser Zwerg hat am Anfang ohne Probleme in der Babyschale gelegen. Nachdem er munterer wurde und mehr von seiner Umgebung mitbekam, war es dann aus... nur noch Geschrei... die Fahrt an die Ostsee und zurück... Horror!
    Dann kam der Izi Plus auf den Markt und ich dachte, nun wagen wir es und es funktionierte! Kein Geschrei mehr! Beim Herzkind ist es ganz klar die Sicht. Mit der Babyschale schauen die Kleinen nur auf den Autositz und sehen sonst nix! Gähnende Langeweile!
    Auch wenn euer Zwerg im Vorwärtsgerichteten Sitz noch nicht aus dem Fensterschauen konnte, so konnte er nun doch deutlich mehr sehen, eventuell auch schon kleine Ausschnitte der Frontscheibe, also eine absolute Verbesserung für ihn. Sicherlich hätte es da auch vielleicht mit dem Reboarder geklappt, klar ist man verunsichert den Preis auszugeben. Eine Möglichkeit wäre noch gewesen, sich umzuhören in z.B. der Reboarder-FB-Gruppe dort kann man auch mal zum Probesitzen und Fahren von anderen Familien die Sitze austesten. Wenn natürlich jemand in der Nähe wohnt... nur als Überlegung für den nächsten Zwerg :)
    Was hier auch weiterhin nicht gemocht wird vom Herzkind sind Nachtfahrten, denn auch hier sieht er wieder nicht viel. Kann er nicht leiden! Daher schauen wir immer frühzeitig wieder loszufahren.... was man nicht alles macht :)

    Liebe Grüße, Sabrina

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