Dienstag, 11. März 2014

Kind UND Karriere - geht das?

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist momentan Thema auf vielen Mama-Blogs. Und auch für mich, als Akademikerin und Mami eines wundervollen Söhnchens, ist dieses Thema präsenter denn je. 

In knapp drei Monaten feiert der kleine Gurkenhals schon seinen ersten Geburtstag und dann endet auch die inoffizielle Elternzeit. Inoffiziell deshalb, da ich als Studentin nur den Regelsatz Elterngeld bekomme. Aber auch diese 300 Euro fehlen ab Juni in der Familienkasse. Für mich heißt es also dann, schnellstmöglich das Studium abzuschließen und einen Job zu finden, der mir die Möglichkeit gibt, mich ein Stück weit selbst zu verwirklichen und gleichzeitig Freiräume für meine Familie lässt.

Tja, und hier fängt die große Misere schon an. Flexible Arbeitszeitmodelle oder Home-Office sind für viele Unternehmen immer noch Fremdwörter oder aber sie existieren nur in der Theorie, werden in der Praxis jedoch nicht gelebt. Als junge Berufseinsteigerin Mitte 20 ist die erste Frage, die man im Vorstellungsgespräch gestellt bekommt: Möchten Sie in den nächsten Jahren eine Familie gründen? Ich frage mich immer, was diese Leute darauf hören wollen? Vielleicht: "Ach nein, heutzutage kann man doch auch mit 40 noch Kinder bekommen, dank der künstlichen Befruchtung." Natürlich darf man bei der Antwort schummeln, aber ein guter Personaler erkennt sofort, wenn da etwas im Busch ist. Sollte man wieder erwarten dann doch eingestellt werden, gilt es zunächst sich durch verschiedenste Hierarchiestufen zu kämpfen, um wenigstens ein kleines bisschen Anerkennung und vor allem auch Verantwortung zu erhalten. Und wer möchte dann schon gleich wieder weg vom Fenster sein, um nach 12 Monaten Elternzeit wieder von ganz unten anzufangen? Und ehe man es sich versieht, ist man Ende 30 und vielleicht schon unfruchtbar.

Das ist vielleicht alles etwas überspitzt dargestellt, aber so ähnlich habe ich es während diverser Praktika in meinem Studium erlebt. Das fängt an bei der Kollegin, die sich die Freiräume nimmt, wenigstens einen halben Tag ihr Kind selber zu betreuen, davon von der Chefin nur Hohn und Spott erntet und sich mit Aufgaben zufrieden geben muss, die auch die Sekretärin erledigen könnte. Fünf Jahre Studium umsonst. Und geht weiter mit einer Abteilung, die nur aus Frauen jenseits der 30 besteht, alle kinderlos und wenn man nachfragt, wann denn mal was geplant ist: "Ja, ich möchte auf jeden Fall Kinder haben aber gerade passt es einfach nicht, ich möchte doch noch Schulung XY absolvieren und überhaupt, vielleicht in 3 Jahren oder so." Oder auch einfach nie.

Seien wir mal ehrlich, wir Frauen sind doch eh die Gearschten. Im Hintergrund hören wir es leise *tick tack tick tack*. Die Natur hat es nicht gut mit uns gemeint, möchten wir eigene Kinder bekommen, bleibt uns nur eine relativ kleine Zeitspanne. Männer dagegen können sogar noch mit 70 Nachwuchs zeugen. Weiter geht es dann im Job. Frauen werden besonders in höheren Positionen ganz klar benachteiligt, verdienen im Schnitt weniger als Männer. Um überhaupt die Chance auf Karriere zu haben, sollte Frau möglichst gebildet sein, also studiert haben.

Auch ich habe mich damals nach dem Abitur bewusst für ein Studium entschieden, mit dem Hintergedanken, so bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu haben. Drei Jahre lang habe ich mich zunächst dem Bachelor gewidmet, nebenbei gearbeitet, um das Studium zu finanzieren und Praktika dürfen ja im Lebenslauf auch nicht fehlen. Und da Bachelor heutzutage jeder kann, musste noch ein Masterstudium hintendran. Auch dieses wieder gespickt mit diversen Praxiseinsätzen, einer davon sogar ein ganzes Jahr, und um die Vita zu vervollständigen, ging es noch ins Ausland, denn ohne fließendes Englisch wird man nicht mal mehr zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Und schwups, war auch ich Mitte 20 und sah mich schon genauso wie die besagten Kollegen mit Mitte/Ende 30 im Büro sitzen und von einer kleinen Familie träumen. 

Und da wurde mir bewusst, was ich wirklich im Leben möchte. Familie. Kinder bekommen. Ja, KindER, kein Einzelkind. Und das nicht erst Ende 30, sondern jetzt, in der Blütezeit unseres Lebens, mit dem richtigen Mann an meiner Seite. Es war eine reine Bauchentscheidung. Und es war die richtige Entscheidung.

Aber wenn man mich fragt, ob Kind und Karriere vereinbar sind, sage ich ganz klar Nein. Zumindest nicht in Deutschland und nicht in meiner persönlichen Lebenssituation. Und natürlich macht mich das traurig. Auch ich möchte nicht umsonst studiert haben, auch ich möchte nicht nur noch Mutter sein. Aber für mich kommt es nicht in Frage, mein Kind nur noch zur Gute-Nacht-Geschichte zu sehen. Genauso wenig kommt es für mich in Frage, nur ein Hilfsarbeiter zu sein, der von niemanden ernst genommen wird, da er nicht seine volle Lebenszeit dem Job widmet. Und so lange die Politik hier nicht eingreift, werden wir Frauen uns immer entscheiden müssen: Kind oder Karriere. 

Wie es jetzt bei uns weiter geht? Im Sommer möchte ich das Studium beenden und dann beginnt die Jobsuche. Dafür muss Theo natürlich gut untergebracht sein, die nächste Hürde also, die es zu bewältigen gilt. Denn trotz Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz, sieht es in unserer Stadt mau aus. Dann werde ich mich nach einem 60%-Job umsehen. Das alleine ist schon schwierig genug, wenn man bereits Mama ist. Der potentielle Arbeitgeber sieht nur die Fehltage und weniger das Know How, das Frau mitbringt. Und schlussendlich muss ich dann auch noch hoffen, dass ich trotz Halbtagsstelle von meinen neuen Kollegen als vollwertiges Teammitglied akzeptiert werde. Und natürlich möchten wir auch zeitnah ein zweites Kind bekommen, der Karriere-Killer schlechthin. Aber das Herz sagt ja.

So Ihr Lieben, das war jetzt ein verdammt langer Text. Bitte versteht, dass er nur meine persönlichen Erfahrungen widerspiegelt! Vielleicht läuft es bei Euch ganz anders, vielleicht habt Ihr Euch für einen anderen Weg entschieden? Ich würde mich sehr über Erfahrungsberichte freuen! Liebste Grüße!

Kommentare:

  1. Liebe Maria,

    vorab - ich bin selbst keine Mutter und kann deshalb nur bedingt von meinen eigenen Erfahrungen sprechen (und maße es mir auch nicht an über das Leben als Mutter mit Kind zu urteilen ;)) bzw. von den Erfahrungen, die in meinem Bekanntenkreis Mütter mit Kindern gemacht haben.

    Ich selbst bin 27 Jahre alt und gerade mit dem Masterstudium fertig und werde jetzt in meinen ersten festen Job starten. Und auch ich als noch Kinderlose mache mir auch Gedanken, wie wird das einmal werden, wenn ich Kinder habe Beruf und Karriere zu vereinbaren und und und...

    Ich selbst habe in keinem meiner Vorstellungsgespräche jemals die Erfahrung gemacht, dass ich gefragt wurde: "Möchten Sie in den nächsten Jahren eine Familie gründen?". Wirklich noch nie. Und auch die Mütter in meinem Bekanntenkreis haben so etwas nicht erlebt. Sprichst du hier aus Erfahrung? Ist dir diese Frage tatsächlich schon unter gekommen? Vielmehr ist sich meiner Erfahrung nach der Personaler bewusst, dass diese Frage 1. rechtlich nicht zulässig ist 2. selten zu dem gewünschten Erfolg führt, da Frau sich ja sehr wohl bewusst ist, dass sie hier tunlichst verschweigt, auch nur in ferner Zukunft daran zu denken, eine Familie zu gründen ;-)

    Das einzige was ich mir tatsächlich vorstellen könnte ist, dass du es schwerer hast überhaupt zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden (ja noch immer gibt es diese Arbeitgeber mit Vorbehalten gegenüber Müttern). Andererseits ist es allgemein schwierig eingeladen zu werden, wenn du nicht gerade ein technisches Studium absolviert hast, aber gut das ist ein anderes Thema :-)

    Ich glaube einfach du machst dir momentan viel zu viele Gedanken. Lass es auf dich zukommen und sieh die Sache positiv - mit der Einstellung rein zu gehen, dass ohnehin kein Arbeitgeber in irgendeiner Art und Weise die Vereinbarkeit von Beruf und Familie fördert, ist denke ich nicht zielführend. Auch hier tut sich wirklich einiges, ich selbst fange jetzt bei einem Arbeitgeber an, der Home Office, Sabbatical, Firmenkindergarten blablabla fördert und anbietet, es gibt diese also auf jeden Fall - vielleicht sind sie schwerer zu finden.

    Zu deinem Statement, dass in Deutschland Kind und Karriere nicht vereinbar sind, kann ich dir wieder einige Beispiele aus meinem Bekanntenkreis aufzählen, in denen das sehr wohl möglich ist. Auch in Vollzeitstellen. Das kann zwar hin und wieder schwierig werden, aber meistens klappt es sehr gut, dass sie pünktlich ihren Arbeitsplatz verlassen und mehr vom Kind haben, als die Gute-Nacht-Geschichte.

    Achso - Kita-Platz, eine Freundin von mir hatte auch Probleme und in ihrem Ort bekommt sie einen Zuschuss für die Tagesmutter und zahlt dementsprechend auch nicht mehr als für einen Kita-Platz. Vielleicht gibt es das bei dir im Ort ja auch.

    Ich drücke dir auf jeden Fall alle Daumen für deine Bewerbungsphase, wenn es denn dann so weit ist. Ich kann verstehen, dass du dir sehr viele Gedanken machst, der Schritt in das Berufsleben ist ja auch ein weitreichender, aber du wirst das gut meistern.

    Das sind jetzt "meine" Erfahrungen zu dem Thema :)

    LG

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    1. Hallo Anonym!
      Vielen Dank für deine ehrliche Meinung und auf fürs "mutmachen". Vielleicht hast du Recht und ich gehe an die ganze Sache zu pessimistisch heran. Vielleicht wird es gar nicht so schwer, alles unter einen Hut zu bekommen. Aber alles was ich aufgezahlt habe sind Erfahrungen, die ich persönlich oder Freunde/Bekannte von mir gemacht habe. Ich habe ein Praktikum in einem Dax-Unternehmen gemacht, auch dort gab es diese Dinge wie Home-Office, Sabbatical usw. Und sie standen jedem Mitarbeiter frei zu Verfügung. Nur musste man dann leider auch damit rechnen, erstmal weg vom Fenster zu sein. Aus den Augen, aus dem Sinn quasi. Mütter die pünktlich ihren Stift fallen ließen, wurden schief angeschaut und absolut niemand hatte Verständnis für ihre Situation. Genau das meine ich auch mit, in der Theorie existieren solche Arbeitsmodelle, aber in der Praxis finden sie keine Akzeptanz.

      Hinzu kommt, dass ich in einer Branche arbeite, die keine 9 to 5 Jobs kennt. Es tendiert eher zu 9 to 8...Es geht oft um Projekte, die fertig gestellt werden müssen und da ist es keine Seltenheit, dass man bis zum nächsten morgen im Büro sitzt. Mit pünktlich nach Hause gehen ist da leider nichts und deswegen weiß ich jetzt schon, wenn ich Vollzeit arbeiten gehen würde, dann würde ich mein Kind am Abend selten zu Gesicht bekommen. Wenn ich dagegen nur halbtags gehe, bekomme ich keine gescheiten Projekte, da ich diese ja nur in einem bestimmten Zeitrahmen bearbeiten kann usw...Also irgendwie ein Teufelskreis.

      In anderen Branchen mag das natürlich anders sein!

      Ich hoffe einfach das beste!:)
      Liebe Grüße!

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  2. Hallo,

    Dein tExt könnte von mir sein, genau so empfinde ich es auch. Ich habe zwar eine Festanstellung mit 70%, aber eben eine Chefin ohne Kinder und mit geringem Einfühlungsvermögen für die Bedürfnisse von Müttern.
    Ich steige im Herbst nach der Elternzeit wieder ein und fürchte, dann wird es ordentlich krachen.
    In einem Gespräch hat sie mir letzte Woche Dinge erzählt, wie "dann sind es zwei Mütter in der Abteilung, davor habe ich schon Angst, weil die immer ausfallen" oder eine nette Bitte an mich, dass ich doch nicht, wie eine frühere Kollegin, hauptsächlich Mutter sein soll, die eben zufällig noch arbeitet, ich müsste da schon meine Prioritäten setzen...sprich die Arbeit an erste Stelle setzen. Da frage ich mich doch auch, was das soll, natürlich werde ich immer immer immer mein Kind als oberste Priorität sehen, was denkt so eine Frau?
    Aber ich versuche es zumindest, das alles positiv anzugehen, ich setze meine Prioritäten, wie es mir passt und glaube, dass ich als Mutter inzwischen deutlich besser darin bin, mich durchzusetzen. Ich arbeite im Kulturbereich - ein Job, in dem man Tag und Nacht im Einsatz sein könnte - aber auch da wird es doch mit Kind irgendwie möglich sein zu arbeiten.
    Ich habe aber schon jetzt Angst davor, wie es werden wird.

    Ich hoffe, dass wenigstens wir Mütter im Job zusammenhalten werden.
    Ich drücke Dir die Daumen, dass alles nach Deinen Wünschen klappen wird

    Liebe Grüße

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    1. Liebe Anonym,

      ich weiß gerade nicht, ob ich mich freuen soll, dass es noch jemanden so geht wie mir, oder ob ich eher traurig sein soll darüber! Aber ich finde es toll, dass du dich auf deinem Weg nicht beirren lässt. Familie sollte immer an erster Stelle stehen!
      Das mit dem rund um die Uhr kenne ich...ist in meiner Branche leider auch so. Daher absolut familienuntauglich.
      Liebe Grüße zurück!

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  3. Ja ein wirklich erschreckendes Thema. Ich selbst arbeite als Lehrerin. Die Schule, ein Ort voller Pädagogen, die sich um das Wohl von Kindern scheren, die Verständnis fürs Mami-werden und Mami-Sein haben ... DENKSTE!

    Was ich bereits in meiner Frühschwangerschaft im Kollegium erlebt habe grenzt an Schwangerenmobbing, auch seitens des Schulamtes, die wegen meiner Schwangerschaft (Wortlaut: "leider sind Sie schwanger") riesige Steine in meinen Versetzungsantrag legen und mich unter Druck setzen die Elternzeit nicht voll zu nutzen, wütendes und entnervte Kollegen wegen meines Beschäftigungsverbotes ... Die Liste goes on und das Baby ist noch nicht mal da.

    Danach sieht es dann so aus: Kollegen regen sich maßlos über Kind-Kranke Mütter auf, es wird gelästert und gemoppt was nur geht. Eine Kollegin hat ein chronisch krankes Kleinkind zu Hause und jedes Mal wenn ihr Name am Vertretungsplan steht geht das Geläster und Augen-Verdrehe im Kollegium wieder los.

    Eine andere Freundin, an einer anderen Schule musste in den Rechtsstreit gehen, weil ihr aufgrund ihrer Schwangerschaft der Vertrag nicht verlängert werden sollte . Wortlaut: "Muss man denn gleich Kinder bekommen, sobald man eine Stelle antritt?". Sie hat es durchgekriegt, aber der Stress den sie in ihrer SS dafür ertragen musste, ist sicher nicht zu unterschätzen, die war ein Wrack.

    Von Verständnis keine Spur. Selbst im Schul-Sektor, wo ich es niemals vermutet hätte. Wie muss es dann erst in der freien Wirtschaft sein.

    Ich finde es wirklich schlimm, wir studieren so lange (ich habe mit Praktika, Nebenjobs und Auslandssemestern inclusive Referendariat) 7 Jahre in meine Ausbildung gesteckt. Und nun bin ich endlich fertig und fühle mich nach all den Erfahrungen regelrecht verarscht.

    Ich fühle mich wie eine lediglich Resource. Und je mehr ich darüber nachdenke empfinde ich all die "Möglichkeiten" die mal als Frau doch nutzen kann ebenfalls nur noch als Verarschung.

    Wenn ich es mir finanziell leisten könnte würde ich die nächsten Jahre der Arbeitswelt den Stinkefinger zeigen und mich um mein Kind kümmern. Dann sollen sie wen anderes unter Druck setzen. Aber leider geht das nicht. Denn auch Männer verdienen heutzutage nicht mehr genug, um eine Familie zu ernähren.

    uff ... das war ein Wut-Kommentar ... Naja, muss auch mal sein. Vielleicht sehe ich das irgendwann bald mal wieder anders, aber im Moment fühle ich eben so...

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