Montag, 10. November 2014

Meine rosarote Plüschwolke

Früher dachte ich immer, ich bin die perfekte Mädchenmama. Ich liebe Shopping, Make Up, Frisuren, mein Kinderzimmer war 15 Jahre lang ein Mekka für Barbies und Puppen und überhaupt gehören Rosa und Pink zu meinen liebsten Farben. Ich konnte mir also nie etwas anderes vorstellen, als eine kleine Püppi zu bekommen. Dann kam die 21. Schwangerschaftswoche mit Theo und da war es dann wirklich nicht mehr zu übersehen, hier wächst ein kleiner Bub heran. Der Mann freute sich wie Bolle über den Stammhalter und auch ich war komischerweise ziemlich schnell im Jungskram-Modus. Die ersten blauen Strampler wanderten in den Einkaufskorb und ich stellte fest: hey, Jungsmama sein ist gar nicht so blöd. Mittlerweile kaufe ich wie ein Profi Spielzeugautos ein und liebe es für meinen kleinen Gurkenhals schicke Hemdchen und coole Hosen zu kaufen. Ja, ich kann mir sogar schon richtig vorstellen, ihn in 5 oder 6 Jahren bei Minus 10 Grad auf dem Fußballplatz anzufeuern, während ich den anderen Jungsmamas Tee aus der Thermoskanne serviere. Aber so ganz verschwand der Wunsch nach einer kleinen Prinzessin nie. 

Als es dann los ging mit der Hibbelei auf Nummer 2, ja haltet mich für bekloppt, befragte ich Google erst einmal nach Möglichkeiten, die Wahrscheinlichkeit auf ein Mädchen zu erhöhen. Auf die Details möchte ich jetzt nicht eingehen aber wir hielten uns an so einige Ratschläge *lach*. So ganz daran glauben konnte ich aber nicht. Am 22. Oktober lieferte ich den kleinen Gurkenhals in der Kita ab und fuhr so aufgeregt, wie wahrscheinlich zuletzt bei Theos Geburt, zu meinem Frauenarzt. Das zweite große Screening stand an und ich erhoffte mir so sehr ein Outing. Bitte versteht mich nicht falsch, das Wichtigste ist natürlich, dass die kleine Erbse gesund und munter zur Welt kommt, aber man möchte dann eben doch wissen, was da genau in einem heranwächst. Jedenfalls schallte und schallte der liebe Onkel Doktor, erklärte mir dieses und jenes und Mutti hatte schon wieder ihr seeligstes Grinsen aufgelegt. Dann packte der Doktor plötzlich den Schallkopf weg und ich fragte ihn ganz entsetzt "Schauen sie gar nicht nach, was es wird?". Doch doch, er habe es versucht, aber das Baby liegt sehr ungünstig. Ok, für mich wagt er noch einmal einen Versuch. Er sucht und sucht also und gibt schließlich kopfschüttelnd auf. Seine Aussage "Wenn er sich jetzt festlegen müsste, würde er sagen ein Mädchen, ABER da kann sich genauso gut noch was zwischen den zusammengekniffenen Beinen verstecken". Puh...na gut. Also wieder eine Woche warten.

Glaubt mir, diese Woche war Folter pur. Immer wieder redete ich mir ein, ich werde nicht enttäuscht sein, wenn sich doch noch ein Bub versteckt hat. Heimlich plante ich aber schon das rosane Kinderzimmer und und kaufte ein süßes Mädchenoutfit, natürlich legte ich den Kassenzettel in Reichweite. Ich sag ja, total bekloppt. Das müssen die Hormone sein. Eine Woche später machten der Mann und ich uns dann auf zur Feindiagnostik. Wieder wurde ausführlich geschallt, die kleine Erbse ist pumperlgesund, bestens versorgt und winkte uns auch fleißig zu. Und dann war er da, der Moment der Momente, der Arzt bewegte den Schallkopf in Richtung Pops und wagte einen Blick zwischen die Beinchen. Und man sah...nichts. Absolut nichts. Herr und Frau Gurkenhals, Sie bekommen ein Mädchen!

Tja, und dann war bei mir alles vorbei. Die Tränen liefen und liefen, selbst als wir schon längst aus dem Sprechzimmer raus waren und auf unser Bildchen warteten, der Wasserfall war nicht zu stoppen. Die Empfangsdame reichte mir zwinkernd ein Taschentuch, der Mann grinste mich nur dummdämlich an. Die nächsten 20 Minuten verbrachte ich damit, sämtliche Familienmitglieder anzurufen und meine Freunde zu informieren. Und irgendwie wurde mir erst dann bewusst, wie tief dieser Wunsch wirklich in mir verankert war und vor allem, wie stark auch mein Mädchengefühl war. Denn immerhin habe ich schon vor Monaten damit begonnen, Püppistoffe zu horten und nach rosanen Tragetüchern Ausschau zu halten. Vielleicht wusste ich es also die ganze Zeit. 

Jetzt bekommt Theo also eine kleine Schwester und ich schwebe auf einer rosaroten Plüschwolke durchs Leben. Hach...ist die flauschig!