Freitag, 9. Januar 2015

Meine Schwangerschaft: Alternative Vorsorge und Geburt

Jede Schwangerschaft ist einzigartig. Egal ob man zum ersten, zweiten oder dritten mal ein Kind erwartet, es ist einfach jedes Mal ein kleines großes Wunder, eine Art Traum, den man neun Monate mal bewusster, mal nur so nebenher träumt und der in einem großen und irgendwie diffusen Ereignis endet, nämlich der Geburt.

Ich kann mich noch genau an mein breites Grinsen erinnern, als der zweite Strich auf dem Teststreifen erschien. Das war beim zweiten Kind nicht weniger breit (und dämlich) als beim ersten. Dann der erste Frauenarzt-Termin, der erste Ultraschall. Wird alles gut sein? Die ersten 12 Wochen ziehen sich wie Kaugummi. Sind sie geschafft, wartet man sehnsüchtig auf ein Outing, danach auf die Grenze zur 24. Woche. Ab jetzt hat mein Baby gute Überlebenschancen. Es sind so kleine Meilensteine, die eine Schwangerschaft zur spannendsten Zeit des Lebens werden lassen. 40 Wochen, die man genießen sollte, die man sich bewahren und schützen MUSS! Für mich war schon bei der ersten Schwangerschaft klar: Diese besondere Zeit werde ich mir nicht kaputt machen lassen. Kaputt machen durch Ängste, Sorgen, viele (unnötige) Untersuchungen und Panik. Nein, das ist nicht mein Ding. Ich möchte meinem Körper vertrauen, auf mein Gefühl hören, selbst bestimmen, in wie weit eingegriffen wird.



Leider wird es vielen Schwangeren heutzutage gar nicht so leicht gemacht, ihrem Körper zu vertrauen. Schon beim ersten Termin in der Praxis steigt die Verunsicherung, eventuell sieht man noch keine Fruchthöhle oder das Baby ist zu klein für diese Woche. Ich erinnere mich gut, wie mein Frauenarzt mich diese Schwangerschaft mit den Worten verabschiedete: "Wenn sie starke Unterleibsschmerzen bekommen, bitte sofort ins Krankenhaus, noch können wir eine Eileiterschwangerschaft nicht ausschließen." Bäm, das saß. Beim zweiten Termin dann ging es direkt weiter. Nach dem mir literweise Blut abgezapft wurde, bekam ich nicht wie erhofft den Mutterpass ausgehändigt. Es kann ja noch so viel passieren. Beim dritten Termin dann die Entwarnung, mit dem Baby ist alles in bester Ordnung. ABER. Eine Schwangerschaft birgt gewissen Risiken bla, achten sie auf dieses und jenes, bloß keinen Sport, kein rohes Fleisch, der Gebärmutterhals muss regelmäßig kontrolliert werden, nicht zu vergessen der Zuckertest und diverse Abstriche. Ach und Blut brauchen wir auch noch mal.

Und da wurde mir klar, nein, diesmal nicht. Nicht mit mir. Ich verabschiedete mich nach dem Termin und betrat die Praxis nie wieder. Das ist nämlich das tolle an meiner zweiten Schwangerschaft. Ich habe viel mehr Selbstbewusstsein, ich lasse mir keine Tests mehr vorschreiben, mir Ängste einreden. Ich bin jung, hatte eine tolle erste Schwangerschaft, habe keine Risiken. Ich brauche diesen ganzen Firlefanz nicht. Schon in der Schwangerschaft mit Theo entschied ich mich für eine Vorsorge bei der Hebamme, ging aber bis Mitte der 20. Woche auch regelmäßig zum Frauenarzt und nahm, aus purer Angst, diverse Tests mit. Jetzt ist das anders. Ich verzichte gänzlich auf die Besuche beim Frauenarzt, sehe meine Hebamme regelmäßig alle 4 Wochen, ab nächster Woche dann sogar alle 2.



Und es tut mir einfach so gut. Ich mache mir keine Gedanken um verkürzte Gebärmutterhälse, frühzeitige Wehen oder Toxoplasmose. Meine Hebeamme behandelt mich wie eine Frau, die demnächst ganz selbstverständlich ihr zweites Kind auf die Welt bringen wird, nicht wie eine Risikopatientin, die jeden Moment in Notlage geraten kann. "Da unten hat nur der Ehemann etwas zu suchen" war der beste Satz, den ich bisher von ihr gehört habe. Ich habe keinen Zuckertest durchführen lassen und auch keine weiteren Untersuchungen, nehme kein Magnesium oder sonstige Medikamente/Ergänzungsmittel, habe keine Ahnung wie hoch mein Eisenwert ist. Ich weiß auch nicht, ob mein Kind zu groß oder zu klein ist (laut Hebamme genau richtig) oder mit wie viel Gramm es etwa auf die Welt kommen wird. Wir kontrollieren bei jeder Vorsorge die üblichen Dinge, Urin, Blutdruck, Gewicht, den Stand der Gebärmutter. Und lauschen kurz dem Herzschlag das Babys. Das wars. So simpel, so schön. Den Rest der Zeit schnacken wir über dieses und jenes, ich kann all meine Fragen los werden und für kleine Zipperlein hat sie immer ein Mittelchen parat. Kein ewiges am CTG hängen, keine Arztfinger in meinem Intimbereich...so ist doch leider die Realität heute. Und ich vertraue dieser Frau zu 100 Prozent. Ich weiß, sie hat alles im Griff und sollte etwas ernsthaft nicht stimmen, zögert sie keine Sekunde lang, mich zum Arzt zu schicken. Sie kennt mich und sieht mir schon an der Nasenspitze an, wenn mich irgendetwas beschäftigt. 

Da sie bereits den kleinen Gurkenhals auf die Welt geholt hat, werde ich auch mir ihr gemeinsam mein zweites Kind auf die Welt bringen. Sie ist nämlich Beleghebamme im städtischen Krankenhaus. Wo wir auch beim Thema alternative Geburt wären. Lange habe ich mir Gedanken um eine Hausgeburt gemacht, aber so richtig dazu durchringen konnte ich mich dann doch nicht. Das hat mehrere Gründe. Zum einem haben wir einfach den Platz nicht. Dann die dünnen Wände. Die Nachbarn. Ich war bei der ersten Geburt schon sehr laut. Und natürlich kann auch ich nicht leugnen, dass die Angst mit hineinspielt. Was ist, wenn etwas schief geht? Klar, das nächste Krankenhaus ist nur 20 Minuten entfernt. Aber man weiß ja nie...Letztendlich scheitert das ganze dann sowieso an meinem Mann. Er möchte diese Form der Geburt nicht. Und da auch er ein Kind bekommt, irgendwie, akzeptiere ich das. Die zweite Alternative wäre ein Geburtshaus. Damit könnten wir uns beide sehr gut anfreunden. Aber ich möchte einfach, dass MEINE Hebamme wieder dabei ist und sie arbeitet nun mal nur im Krankenhaus.



Gerade Frauen mit großen Ängsten vor der Geburt kann ich die Beleggeburt als alternative Form der Geburtsbegleitung nur ans Herz legen. Euch erwartet kein unbekanntes Gesicht im Kreißsaal, mit dem eventuell die Chemie nicht stimmt. Ihr braucht euch keine Sorgen um Schichtwechsel zu machen oder dass ihr einfach alleine gelassen werdet. Denn nicht selten betreut eine Hebamme im Krankenhaus 2 oder sogar 3 Geburten gleichzeitig. Meine Hebamme ist keine Sekunde von meiner Seite gewichen, wirklich keine einzige. Sie hat mich unterstützt, wusste genau wie sie mit mir umgehen muss und wie sie mich motivieren kann. Ich bin mir sogar sicher, ohne sie wäre diese schwere Geburt nicht so glimpflich ausgegangen. Sie kämpfte wie ein Löwe für mich und am Ende wurden wir beide dafür belohnt. Auch wenn die Geburt von Theo kein Zuckerschlecken war, freue ich mich auf die Geburt meiner Tochter. Sehr sogar. Denn ich weiß, dass ich nicht allein sein werde.



Was ich mit diesem ewig langen Text eigentlich sagen möchte...Ihr lieben schwangeren Mädels da draußen, lasst euch eure Schwangerschaft nicht durch Ängste und Sorgen kaputt machen! So lange alles in Ordnung ist (und das ist natürlich die Voraussetzung, beispielsweise für eine komplette Hebammenvorsorge), genießt diese einzigartige Zeit! Vertraut auf euch und euren Körper, horcht in euch hinein und entscheidet selbst. Braucht ihr die vielen Untersuchungen um euch sicher und wohl zu fühlen, dann ist das gut so. Möchtet ihr aber lieber drauf verzichten, dann macht den Mund auf und sucht euch Alternativen. Denn darum geht es ja. Ihr müsst eure eigenen Entscheidungen treffen, und zwar nicht nur in der Schwangerschaft, sondern auch im weiteren Verlauf. Wie und wo wollt ihr euer Kind auf die Welt bringen? Was soll danach passieren? Möchtet ihr es die erste Nacht nach der Geburt abgeben oder bei euch behalten? Welche Medikationen soll es erhalten? Wollt ihr Vitamin D geben? Wo soll das Kind schlafen, im eigenen Bett oder im Familienbett? Soll euer Kind geimpft werden? Ab wann soll es fremdbetreut werden? Alles Entscheidungen, die ihr noch treffen und hinter denen ihr stehen müsst. Also fangt schon mal damit an:)

Übrigens: Damit es diese wunderbaren Alternativen weiterhin geben kann, brauchen unsere Hebammen immer noch ganz viel Unterstützung! Das ist wirklich eine Herzensangelegenheit von mir!



Und all diese wunderbaren Bilder im Post sind in meiner ersten Schwangerschaft entstanden und stammen von der wunderbaren Jeanie Micheel!

Kommentare:

  1. supergut!!! und ich wünschte, ich wäre da auch selbstbewusster gewesen und bei meiner ersten entscheidung geblieben, mir NICHT die ultraschall-flatrate aufschwatzen zu lassen. vor allem nachdem mir da echt ein schlechtes gewissen gemacht wurde, ich sei dann ja mehr oder weniger eine schlechte mutter… (http://www.kugelfisch-blog.de/2013/01/74-ultraschall.html letzter absatz). letztendlich hab ich mich dann doch überreden lassen und hab jetzt noch nicht mal schöne fotos ;-)
    manchmal denke ich, obwohl es die zweite schwangerschaft war, war ich eher noch wie eine erstmama. der große war ja gerade mal 7 monate alt und ich hatte noch gar nicht wirklich abstand zur ersten schwangerschaft und ja… auch deshalb wünsche ich mir manchmal, noch mal schwanger zu sein. um entscheidungen besser treffen zu können, eben solche, hinter denen ich auch wirklich stehe und das konnte ich bei beiden nicht…

    AntwortenLöschen
  2. Liebe Frau Gurkenhals, ein wirklich schöner Post ist das, den ich sehr gern und mit viel Interesse gelesen habe. Ich habe vor einigen Monaten mein erstes Kind bekommen und war mit der ärztlichen Versorgung während der Schwangerschaft sehr zufrieden, auch wenn mir selbst auffiel, wie viele angstmachende Faktoren da auf einen zukommen.
    Ich finde es toll, mit welcher Entschlossenheit du dir eine Alternative gesucht hast. Die Zufriedenheit und Gelassenheit liest man dir wirklich an.

    AntwortenLöschen
  3. Oh, ich freu mich für dich! Du machst das genau richtig. Genieße es. Ich hoffe, deine Zeit reicht aus, um auch noch viel kleine Kleidung selbst zu nähen!!!
    LG Anett

    AntwortenLöschen
  4. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

    AntwortenLöschen
  5. Einfach toll geschrieben und so wahr! Da wir die gleiche Hebamme hatten weiß ich genau was du meinst und verdanke ihr so viel.<3
    Alle die noch zweifeln, hört auf euer Gefühl und keine Angst, man wächst mit seinen Aufgaben!

    AntwortenLöschen
  6. Liebe Frau Gurkenhals,

    ein wunderbarer Post zum Thema "Unsicherheit durch Übervorsorge".

    Ich bin ebenfalls 26 Jahre alt und zum ersten Mal schwanger und musste mich ebenfalls über die etlichen Testmöglichkeiten und Entscheidungen quälen, die ich eigentlich gar nicht durchführen/treffen wollte: denn mein grundsätzliches Bauchgefühl ist, dass schon alles in Ordnung gehen wird und mir mein Körper sagt, wenn was nicht in Ordnung ist.

    Dennoch hat man das Gefühl, dass man eine schlechte Mutter wäre/wird, wenn man nicht alles mögliche unternimmt und untersucht, um zu wissen, ob das Kind gesund wird oder nicht- wie zum Beispiel eine Fruchtwasseruntersuchung oder eine Nackentransparenz-Messung.

    Deine Nachricht gibt mir Zuversicht, dass das Vertrauen in den eigenen Körper der richtige Weg ist.

    Unsere Großmütter haben schließlich auch alle Kinder bekommen- ganz ohne Firlefanz =) und wie sagt meine Oma immer "Kinder werden von ganz alleine groß- die nehmen sich ihre Rechte schon, auch im Bauch "

    AntwortenLöschen