Dienstag, 7. April 2015

Schon wieder kein Anfängerbaby

Puff. Da ist sie zerplatzt, meine Seifenblase. Meine kleine große Traumwelt, die ich mir während 40 Wochen Schwangerschaft aufgebaut und ausgemalt habe. 10 lange Monate, in denen mir immer wieder bestätigt wurde "Die zweiten Kinder sind ganz anders. Viel ruhiger. Viel einfacher. Viel gelassener. Denn auch die Eltern sind entspannter. Niemand bekommt zwei Schreikinder". Na gut, Clara ist (bisher) kein Schreibaby, aber ein Anfängerbaby ist sie definitiv auch nicht. Ein Anfängerbaby, was ist das überhaupt? Ich habe da so meine eigenen Vorstellungen:

...ein Baby, dass sich auch mal ablegen lässt (und dabei zufrieden ist)
...ein Baby, dass wenig weint
...ein Baby, dass viel schläft, nachts gerne 4 Stunden am Stück oder länger
...ein Baby, dass ohne Probleme an die Brust geht (quasi ein Vollstillprofi)
...ein Baby, dass wenig bis keine Bauchschmerzen hat
...ein Baby, dass friedlich im Kinderwagen vor sich hin schlummert
...ein Baby, dass im Auto einschläft (und nicht an jeder Ampel wieder aufwacht)
...ein Baby, dass auch mal zufrieden ist

Das sind nur ein paar Sachen, die meinem Fusselhirn gerade einfallen. Und nun mal Theo im Vergleich. Theo war ein Arschloch-Baby. Ein bisschen gemein der Ausdruck, aber irgendwie passt er. Theo fand immer alles doof. 

...Stillen doof
...Verdauung doof
...Ablegen doof
...Schlafen doof (aber richtig!)
...Kinderwagen doof
...Ausflüge doof
...Babyschwimmen doof (überhaupt sämtliche Babykurse)
...Auto fahren doof  usw.

Er schrie eigentlich fast rund um die Uhr, wie schlimm das eigentlich war, weiß ich dank Verdrängungshormonen zwar nicht mehr, aber ich erinnere mich durchaus an durchwachte Nächte und viele Tränen (vor Erschöpfung).

Clara ist jetzt genau 14 Tage alt und möchte ihrem großen Bruder wohl gerne nacheifern. Sie schreit zwar nicht und weinen kann man es auch nicht wirklich nennen, aber sie motzt ganz gerne. Und zwar bei genau den gleichen Dingen wie ihr Bruder. Den Kinderwagen findet sie eher so semi, Auto fahren ist auch nicht so der Hit. Sie hat leider schlimme Bauchschmerzen (wer hat behauptet Mädchen hätten weniger Koliken??) und auch sie ist kein Vollstillprofi. Am liebsten liegt sie den ganzen Tag auf meinem Arm, ablegen klappt mal so 2 Minuten. Und schlafen...naja sie schläft wenigstens. Aber spätestens alle 2 Stunden, eher jede Stunde, meldet sie sich zur Mahlzeit. Außerdem spuckt sie wie ein Weltmeister. Selbst baden findet sie kacke, dabei hat das sogar ihr Bruder geliebt.

Ich weiß, dass das alles normal ist (die Kinderärztin nannte es liebevoll Regulationsstörungen). Und ich will mich auch wirklich nicht beschweren. Aber hätte ich nicht ein mal Glück haben können? Wenigstens in einer Sache...beim Schlafen zum Beispiel. Mal wieder haben alle Mütter um mich herum Durchschlafbabys. Gibts dafür ein Geheimrezept, dass ich noch nicht entdeckt habe? Oder beim Stillen. Und die blöden Bauchschmerzen hätten auch gerne wegbleiben können.

Nun müssen wir aber damit leben. Und das ist das tolle beim zweiten Kind. Man kommt damit klar. Während ich bei Theo noch nach Ursachen gesucht habe und in Selbstmitleid zerflossen bin, nehme ich es dieses mal so hin. Dann wird das Klebebaby eben 24 Stunden getragen (Gott sei dank konnte ich dem teuren Bugaboo widerstehen), dann wird eben der Bauch massiert was das Zeug hält und ja, auch dieses mal habe ich wieder ein Flaschenkind. Aber auch die werden groß. Das sehe ich an meinem Theo, dem tollsten Kleinkind der Welt, einst Arschloch-Baby, jetzt Sonnenschein und mein Ein und Alles. Auch dieses mal hatten wir kein Glück mit dem Anfängerbaby, dafür halten wir das größte Glück der Welt in den Händen. Unsere kleine Motzkönigin.

Kommentare:

  1. Ohje du arme!
    Ich hatte ja bei beiden Kindern Glück und hab/hatte quasi 2 superbaby`s. Ich hatte mich vollkommen darauf eingestellt eben nicht noch ein 2. Mal so viel Glück zu haben. Also wurden unserer beider Erwartungen nicht erfüllt. Sei froh, dass du es dieses Mal wenigestens einigermaßen locker sehen kannst. Ich wünsche euch viel Kraft. Ist denn der Große momentan wenigstens relativ pflegeleicht?

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  2. Hallo Familie Gurkenhals,
    ich lese gern immer wieder hier mit, aber heute muss ich ehrlich sagen, der Ausdruck "Arschloch-Baby" ist einfach nur dumm und völlig daneben. Sei froh, dass Du 2 gesunde tolle Kinder hast und denk auch mal dran, dass das alles kein Wettbewerb ist, wer hier die schwerste Geburt hatte, die schlimmsten Nächte, die schlimmsten Schreikinder usw. - so, das musste mal raus, nicht böse sein.

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  3. Oh, das hätte ich jetzt nicht erwartet! Es tut mir leid,dass ihr diesmal nicht "mehr Glück" hattet. Nun muss man ja sagen, dass der Höhepunkt der Umstellungs- und Anpassungsprobleme wohl um die 3. Lebenswoche ist. Es kann sich also noch etwas ändern. Die Grundzufriedenheit erkennt man allerdings doch ziemlich früh. Unser erstes Kind war genauso wie Dein Theo. Unsere Kleine dagegen erfüllt viele der Kriterien, die Du mit einem "Anfängerbaby" assoziierst. Zumindest in den ersten Monaten. Sie hatte aber auch trotzdem immer wieder zwischendurch Mecker- und Motzphasen, aber nicht vergleichbar mit der grundlegenden Unzufriedenheit unseres Sohnes.
    Es zeigt doch nur, wie viele solcher Babys es tatsächlich gibt, obwohl einem immer wieder und wieder das Gegenteil suggeriert wird. Glaub nicht an die Durchschlafbabys! Hinterfrage die Mittel, die vielleicht dazu angewendet wurden und die Du sicherlich nicht anwenden willst. Sei froh, dass Dein Sohn in der Kita ist (ist er doch, oder?) und Du Dich tagsüber dem Baby widmen kannst. Niemals würde ich ein großes Kind zuhause lassen, wenn ich ein Baby bekomme, weil man eben nie weiß, wie das Baby wird. Ich kenne auch Familien, wo das erste Kind pflegeleicht und das zweite ein sog. High-Need-Baby war. Es hat also nichts mit der "Entspanntheit" der Eltern zu tun, wie das Kind wird.
    Ich wünsche euch viel Kraft, gute Nerven und viel Hilfe sowie vor allem die Gelassenheit, die uns allen beim ersten Kind noch fehlte.
    Liebe Grüße!

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  4. Wahnsinnig toll geschrieben :) Ich kann mir deine beiden Kleinen gerade sehr gut vorstellen. Man kann die Liebe wirklich aus jeder Zeile herauslesen - obwohl du nicht von rosaroten Wattewolken schreibst!

    ...und wer weiß, vielleicht überrascht dich deine Clara noch. Meine Terrorpüppi war quasi jeden Monat ein komplett anderes Kind im ersten Lebensjahr... okay gut, ein sogenanntes Anfängerbaby war sie aber auch nie ;)

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  5. Ich kenne das ganze nur zu gut. War bei uns ganz genau so. Und jetzt habe ich ein tolles Vorschulkind und ein tolles Kleinkind. Und all der ganze Stress ist vergessen. Hatte durch, es wird in 2, 3 Monaten schon viel besser werden.

    LG Nicole

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  6. Oh je, so ein Motzbaby hab ich auch :( Ich hab sie auch irgendwann ins Tragetuch genommen, da war sie zufrieden und alles war gut. Allerdings durfte ich ja erst ab der 9. Woche etwa tragen, die Wochen davor waren der Horror. Sie ist auch immer noch seehr motzig und man kann es ihr irgendwie nie recht machen. Vom Löffel essen? Will sie nicht. Selbst essen? Will sie auch nicht, zumindest nichts nahrhaftes (eher so Teppichflusen, Holz und Papier).

    Bist du denn sicher, dass es Bauchweh sind? Ich dachte das beim Hummelchen auch, aber sie wollte einfach nicht in die Windel machen (is immer noch nich so ihr Ding). Ansonsten kann ich dir Bigaia-tropfen empfehlen. Vor ein paar Wochen hatte die Hummel arge Probleme mit dem Bauch, nachdem sie nen Magen-Darm-Infekt hatte und nach 3 Tagen Tropfen geben war alles wieder gut :)

    Liebe Grüße und toi, toi, toi, dass es bald besser wird :)

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  7. Ich finde du siehst das nicht aus der richtigen Perspektive ;-) Du schreibst "hätte ich nicht in einer Sache Glück haben können?" Mag sie das Tragen im Tuch? Ja? Na dann hast du doch da Glück! Trinkt sie gut und du musst nicht um jeden Tropfen kämpfen? Auch wieder Glück! Und da fallen dir bestimmt noch viele andere Dinge ein. Und du weißt ja aus Erfahrung, es hätte auch schlimmer kommen können :-))

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  8. Hi, ich lese grad zum ersten mal Deinen Blog und bin sehr begeistert weil ich mich in so vielem wiederfinde ;-) meine Kids sind auch 21 Monate auseinander, großer Bruder und kleine Schwester und auch ich wollte soooo gern ein Mädchen als zweites ☺️ Aber auch ich hatte auf ein Anfänger-Baby gehofft (und dem teuren bugaboo leider nicht widerstanden 😝). Das Ende vom Lied: Tragetuch rund um die Uhr, der Wagen (und auch Maxicosi) verstaubt im Keller und ist selbst jetzt mit 7 Monaten noch uninteressant. Schlafen tut sie auch eher nicht optimal. Also: du bist nicht allein 😉 und ich hab dich jetzt auch auf Instagram "geliked" und freu mich drauf ☺️ Liebe Grüße! Julia

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  9. Ohh ich kenne das auch. Bei mir hat sich auch so ein Baby eingeschlichen vor 4 Jahren. Nicht mal das Tuch ging. Nur Mama´s Arm und auch nur solange Mama sich bewegt hat. Durchgeschlafen hat sie mit 2,5 und alleine geschlafen mit 1,5. Alles was "normale" Babys gütig stimmt war absoluter Mist und anstregend hoch 10. In meiner Umgebung habe ich noch kein anderes Baby gefunden welches so ist. Das sind hier alles Anfängerbabys. Obwohl ich glaube, dass viele sich das auch einfach schön reden.

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